Lothar Matthäus

Die Reizfigur

Der WM-Titel 1990 machte ihn zum Megastar. Mit 150 Einsätzen ist er Deutschlands Rekordnationalspieler. Als erster Feldspieler nahm er an fünf WM- Turnieren teil. Doch bis heute ist Lothar Matthäus eine Reizfigur - wegen seiner Außendarstellung.

Die Tragik eines Lothar Matthäus liegt wohl darin, dass seine rhetorischen Fähigkeiten nur selten Schritt gehalten haben mit seinem fußballerischen Vermögen. Erst am Ende seiner aktiven Karriere erntete "der Leitwolf" (Franz Beckenbauer) für seine Leistungen in den Fußballarenen der Welt jene Anerkennung, die er stets wort- und gestenreich für sich reklamiert hat. Dabei steht außer Frage, dass Matthäus zu Deutschlands größten Fußballern aller Zeiten gehört.

DFB-Team zum WM-Titel geführt

Als Kapitän und Regisseur führte er das DFB-Team bei der WM 1990 in Italien zum Titel. Matthäus stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere, drückte dieser Weltmeisterschaft seinen Stempel auf und sicherte sich später auch als Rekordnationalspieler seinen Platz im Fußball-Olymp. Der 4:1-Sieg in der Vorrundenpartie über Jugoslawien ging als das wohl beste Spiel seines Lebens in die Annalen ein. Der Titelgewinn zahlte sich für ihn auch ganz persönlich aus: Matthäus wurde 1990 zu Deutschlands Fußballer des Jahres, Europas Fußballer des Jahres und zum noch inoffiziellen Weltfußballer des Jahres gekürt. Im Jahr darauf wurde er auch erster offizieller FIFA- Weltfußballer des Jahres.

Trap: "Um zu siegen, brauche ich Mätthaus"

Matthäus war nie der geniale Zauberer, sondern vielmehr ein von unbändigem Ehrgeiz getriebener Kämpfer, der Athletik, Kraft, Schnelligkeit und Siegermentalität in seinem Spiel vereinigte. Sein ehemaliger Coach Giovanni Trappatoni beschrieb das so: "Ich verehre Platini. Ich bewundere Maradona. Aber um zu siegen, brauche ich Matthäus." Die Aussage verwundert nicht. Eine der hervorstechendsten Eigenschaften des Profis Matthäus war seine Willenskraft. Selbst schwerste Verletzungen wie etwa ein Kreuzbandriss 1992 konnten ihn nicht stoppen. Allen negativen Prognosen zum Trotz kämpfte er sich stets zurück. "Loddar" selbst kommentierte das so: "Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal."

Der Rekordjäger

Sein erstes A-Länderspiel bestritt Matthäus bei der EM 1980, als er beim 3:2-Sieg im Gruppenspiel gegen die Niederlande eingewechselt wurde. Sein Vorhang fiel erst bei der aus deutscher Sicht desaströsen EM 2000. Das 0:3 im letzten Gruppenspiel gegen Portugal markierte den Schlusspunkt seiner Nationalmannschafts-Karriere. Über zwei Jahrzehnte lang also trug Matthäus das DFB-Trikot. Bis zum Jahr 2010 blieb dies internationaler Rekord. Dann löste ihn der Finne Jari Litmanen ab, der 21 Jahre lang für sein Land gespielt hatte. Darüber hinaus ist der gelernte Raumausstatter neben dem Mexikaner Antonio Carbajal der einzige Spieler, der an fünf Weltmeisterschaften teilnahm. Seine insgesamt 25 WM-Einsätze sind bis heute Weltrekord.

"Fettnäpfe sind sein Leben"

Seine größten Erfolge als Vereinsspieler feierte Matthäus mit Bayern München und Inter Mailand. Bei den New York Metro Stars ließ er im Jahr 2000 seine Profi-Karriere ausklingen. Doch trotz aller Meriten, die er sammelte, blieb ihm die entsprechende Reputation versagt. Was an seiner zuweilen fatalen Außendarstellung liegt. Mit seinen häufig unbedachten Äußerungen liefert der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft bis heute Steilvorlagen für die Medien, die denn auch nie zimperlich mit dem "fränkischen Plappermaul" ("Süddeutsche Zeitung") umgegangen sind. Der "Spiegel" argwöhnte im Jahr 2000, Matthäus spiele "auch deshalb immer noch so leidenschaftlich gerne Fußball, weil er so leidenschaftlich gerne in der Zeitung steht". Die "Frankfurter Allgemeine" vermisste bei ihm "den glaubwürdigen Versuch, auch einmal den Sprung ins Rampenlicht zu meiden." "Fettnäpfe sind sein Leben", titelte die "Bunte".

Als Trainer auf Tingeltour

Sein öffentlich zur Schau gestelltes Privat- und Liebesleben beherrscht bis heute die Schlagzeilen und drängt auch seine Ambitionen als Trainer in den Hintergrund. Wohl auch deshalb hat es es bislang nicht geschafft, von einem Bundesligaverein engagiert zu werden. Also tingelt der Trainer Matthäus durch die Welt. Seine Stationen bisher: Rapid Wien, Partizan Belgrad, die ungarische Nationalmannschaft, der brasilianische Club Atlético Paranaense, Red Bull Salzburg als Co-Trainer von Giovanni Trappatoni, Maccabi Netanya in Israel und die bulgarische Nationalmannschaft. Mit Belgrad und Salzburg wurde er Landesmeister.

Gefragter TV-Experte

Ein so schlechter Coach kann er also nicht sein. Matthäus galt schon zu aktiven Zeiten als verlängerter Arm seiner Trainer auf dem Spielfeld. Während er international als Koryphäe gilt, durfte er in Deutschland seinen Fußball- Sachverstand bislang nur als gefragter TV-Experte zeigen. Im eigenen Land ist sich "Loddar" als Reizfigur treu geblieben.


Frank Menke

Montage mehrerer Fotos von Lothar Matthäus: Auf dem Spielfeld, Fotos:dpa; Montage: ARD

Lothar Matthäus dribbelt, dirigiert, jubelt. Ein begnadeter Techniker mit Übersicht - eine echte Nummer 10 eben. Das einzige, was ihm gelegentlich im Weg stand, war sein Mundwerk.

Zur Person

Name:
Lothar Herbert Matthäus
Geboren:
21.03.1960 in Erlangen

Karriere-Highlights

  • Weltmeister 1990
  • Vize-Weltmeister 1986, 1982
  • Europameister 1980
  • UEFA-Cup-Sieger 1991, 1996
  • Deutscher Meister 1985 - 1987, 1994, 1997, 1999
  • Deutscher Pokalsieger 1986, 1998
  • Deutscher Supercupsieger 1987
  • Italienischer Meister 1989
  • Italienischer Supercupsieger 1989
  • Deutschlands Rekordnationalspieler mit 150 Einsätzen
  • WM-Rekordspieler mit fünf Teilnahmen und 25 Spielen