Miroslav Klose

Der Rekord-Torjäger

Als zweiter Deutscher nach Gerd Müller wurde Miroslav Klose 2006 Torschützenkönig bei einer Fußball-WM. Wie vier Jahre zuvor in Japan/Südkorea erzielte er fünf Treffer. Bei der WM 2010 in Südafrika legte er vier Treffer nach und ist zusammen mit Müller (je 14 Treffer) nach Ronaldo (15) zweitbester WM- Torschütze aller Zeiten. Seit 2014 ist er auch Deutschalnds Rekord-Torschütze.

Für Miroslav Klose hätte die WM 2006 gar nicht besser beginnen können. Mit zwei Treffern im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica machte er sich selbst zum 28. Geburtstag das schönste Geschenk. Im Vorrundenspiel gegen Ecuador schob er das nächste Doppelpack hinterher. Seine beiden Traumvorlagen auf Lukas Podolski bereiteten den Weg zum deutschen 2:0-Triumph im Achtelfinale über Schweden. Sein 1:1-Ausgleich im Viertelfinale gegen Argentinien rettete Deutschland in die Verlängerung und ins erfolgreiche Elfmeterschießen.

Müllers Rekord geknackt

Obwohl er international nicht immer die beste Reputation erfuhr, hat Klose vor allem in Deutschland längst Kultstatus erreicht. Mit seinen insgesamt 14 WM- Treffern liegt er in der ewigen deutschen Bestenliste der WM-Torjäger auf dem ersten Platz zusammen mit Gerd Müller. Beim Turnier 2014 in Brasilien kann er sogar Ronaldo als besten WM- Torschützen aller Zeiten vom Thron stoßen. Eine andere Rekordmarke hat er bereits geknackt: Am 6. September 2013 im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich gelang ihm sein 68. Treffer im DFB-Dress, wodurch er nach 39 Jahren mit Gerd Müller gleichzog.

Der einstige "Bomber der Nation" benötigte dafür allerdings nur 62 Spiele, Klose mit 129 mehr als doppelt so viele. Deshalb will er sich auch nicht mit ihm vergleichen lassen: "Ich kann und darf mich mit ihm nicht auf eine Stufe stellen. Gerd Müller war ein außergewöhnlicher Stürmer", sagte Klose mit der ihm typischen Bescheidenheit. Seit seinem Treffer beim 6:1-Sieg im WM-Test gegen Armenien am 6. Juni 2014 ist er Deutschlands alleiniger Rekord-Torschütze.


Sein erstes Länderspieltor hatte Klose gleich bei seinem Einstand im DFB-Dress am 24. März 2001 erzielt. Damals gelang ihm gegen Albanien der 2:1-Siegtreffer. Klose ist im Übrigen neben dem Peruaner Teófilo Cubillas der einzige, der bei zwei Weltmeisterschaften mindestens fünf Treffer erzielte. Doch obwohl er Tore am Fließband produziert, scheuten europäische Krösus-Vereine wie Real Madrid, Manchester United oder der FC Chelsea die Millionen-Investition in den Bundesliga- und WM-Torschützenkönig. Erst 2011 wechselte er ins Ausland zu Lazio Rom.

Zweifler beflügeln ihn

Immer wieder wurde ihm vorgehalten, dass er im Nationalmannschafts-Trikot zu selten gegen die ganz Großen traf. Vier seiner  fünf WM-Treffer von 2006 schoss er gegen sogenannte kleine Gegner in der Vorrunde. Bei der WM 2002 hatte er alle seine fünf Tore in der Vorrunde erzielt. 2010 erzielte er seinen ersten Treffer im WM-Vorrundenspiel gegen Australien. Im Achtelfinale legte er gegen England nach, im Viertelfinale gegen Argentinien ließ er es zweimal  klingeln. Klose hatte es allen Kritikern gezeigt, zumal ihn viele nach einer wenig berauschenden Saison bei Bayern München im Vorfeld des Turniers schon abgeschrieben hatten. Zweifel an ihm stacheln ihn offenbar nur noch mehr an.

Ein Stehaufmännchen

Es sind nicht zuletzt diese Nehmerqualitäten und seine Unbeirrtheit, die Stehaufmännchen Klose bis heute auszeichnen. Dazu passt sein Lebensmotto: "Es ist keine Schande hinzufallen, aber es ist eine Schande, einfach liegen zu bleiben."  Als polnischer Aussiedler war der Achtjährige einst mit seinen Eltern in der Pfalz gelandet. Später begann er eine Lehre als Zimmermann, seit seinem 19. Lebensjahr beherrscht nur noch der Ball sein Berufsleben. Das Fußballspielen lernte er bei der SG Blaubach-Diedelkopf, bevor er 1998 zum FC Homburg und von dort zum 1. FC Kaiserslautern wechselte. Da spielte er zunächst bei den Amateuren, ehe er im April 2000 sein erstes Bundesligaspiel für den FCK absolvierte.

Vorbild in Sachen Fair Play

In Bremen reifte Klose zum kompletten Stürmer, bevor er nach einigem Theater 2007 zum FC Bayern München wechselte. Vom reinen Kopfballspezialisten hatte er sich zum spielenden Stürmer entwickelt, der auf die Flügel ausweicht, in der Abwehr aushilft und seine Mitspieler in Szene setzt. Klose ist zudem einer, der auch in der Hitze des Gefechts ein fairer Sportsmann bleibt. In einem Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld im Mai 2005 erhielt er einen Elfmeter zugesprochen. Klose ging zum Schiedsrichter und teilte ihm mit, er sei nicht gefoult worden. Für diese Geste zeichnete ihn die Deutsche Olympische Gesellschaft mit der Fair-Play-Plakette des deutschen Sports aus und der Verband Deutscher Sportjournalisten mit der Fair-Play-Trophy.


Frank Menke

Montage mehrerer Fotos von Miroslav Klose: im Zweikampf mit Italiens Kapitän Cannavaro; bei einer Pressekonferenz; beim Jubel nach einem Tor. Fotos: dpa; Montage: ARD

Klose - der personifizierte "Zug zum Tor". Oben im Zweikampf mit Italiens Kapitän Cannavaro während des Halbfinales in Dortmund. Unten links: bei einer Pressekonferenz. Rechts: beim Jubel nach seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen Argentinien im Viertelfinale.

Zur Person

Name:
Miroslav Klose
Geboren:
09.06.1978 in Oppeln (Polen)

Karriere Highlights

  • WM-Torschützenkönig 2006 (fünf Treffer)
  • 3. Platz bei der Weltmeisterschaft 2006 und 2010
  • Vize-Weltmeister 2002
  • Vize-WM-Torschützenkönig 2002 (fünf Treffer)
  • Vize-Europameister 2008
  • DFL-Ligapokal-Sieger mit Werder Bremen 2006
  • Bundesliga-Torschützenkönig 2005/06 mit 25 Toren
  • Fußballer des Jahres 2006 in Deutschland
  • DFL-Ligapokal-Sieger 2007 mit Bayern München
  • Deutscher Meister mit Bayern München 2008 und 2010
  • DFB-Pokalsieger mit Bayern München 2008 und 2010
  • DFL-Supercup-Sieger mit Bayern München 2010
  • Champions-League-Finalist 2010 mit Bayern München
  • Italienischer Pokalsieger mit Lazio Rom 2013