Plakat der FIFA WM 1986 in Mexiko. Bild: picture-alliance/dpa

Weltmeister

Argentinien

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Flagge Argentinien
Weltmeister Argentinien 1986. Bild: picture-alliance/dpa

"Gurkentruppe" wird Zweiter

Keine WM ohne Knatsch. Diesmal ist es Ersatztorhüter Uli Stein vom Hamburger SV, der für Misstöne im deutschen Lager sorgt - mit der berühmt-berüchtigten "Suppenkasper"-Affäre. Trotz aller Querelen wird das DFB-Team Vize- Weltmeister.

Toni Schumacher, die Nummer eins im Kasten der DFB-Elf, ist  von seiner Topform weit entfernt. Die Münchner Fraktion um Kapitän Karl-Heinz Rummenigge greift die Kölner Clique um den Keeper und Vize-Kapitän an. Mittendrin statt nur dabei: Stein, der seine Chance ausgerechnet in dem Moment wittert, als Schumacher und Rummenigge Frieden schließen.

Querulant nach Hause geschickt

Stein zieht daraufhin gegen Teamchef Franz Beckenbauer vom Leder, beschimpft ihn als "Suppenkasper" und die Mannschaft als "Gurkentruppe". Der "Kaiser" schickt den Querulanten nach Hause. Das DFB-Team reißt sich zusammen und kommt als Gruppenzweiter hinter Dänemark eine Runde weiter. Spiel für Spiel arbeitet sich die deutsche Elf zum Finale vor. Gegen Marokko reicht ein Matthäus-Tor zum 1:0, gegen Mexiko das Glück im Elfmeterschießen (4:1). Im Halbfinale gegen Frankreich machen Brehme und Völler den fünften Einzug in ein WM-Finale perfekt.

Schumachers schwarzer Tag

"Jetzt wollen wir auch den Cup", verkündet Lothar Matthäus voller Überzeugungskraft. Die ist auch nötig, schließlich wird der Münchner mit der wichtigsten Aufgabe seiner Karriere betraut: Er soll Diego Armando Maradona nicht nur stoppen, sondern "entzaubern". Das gelingt fast vollständig. Dafür patzt ein anderer - Toni Schumacher. Beim 0:1 segelt er unter einer Freistoßflanke durch, nach dem Seitenwechsel erhöhen die Argentinier auf 2:0. Zwar gleichen Rummenigge und Völler binnen neun Minuten aus. Doch Burruchaga besiegelt nach einem Maradona-Traumpass sechs Minuten vor Schluss die deutsche Niederlage.

Argentinien steht Kopf

Als Maradona am 29. Juni nach dem 3:2 über Deutschland den WM-Pokal küsst, steht er im Zenit seiner Karriere und eine ganze Nation Kopf. Seinen Führungstreffer mit der "Hand Gottes" im Viertelfinale gegen England sehen 100.000 Zuschauer im Azteken-Stadion als irreguläres Tor -  nur der tunesische Schiedsrichter Ali Bin Nasser nicht. Ein Skandal. Dennoch ist "Dieguito", der die WM fast im Alleingang entscheidet, der unumstrittene Superstar des Turniers.

DFB-Kicker in Europa die Nummer eins

Dass Deutschland zum zweiten Mal in Folge ein Finale verliert, ist bitter. Aber die Mannschaft von Teamchef Beckenbauer verkauft sich teuer. Zum zweiten Mal hintereinander schaltet das DFB-Team Frankreich im Halbfinale aus, darf sich zumindest inoffiziell Europas Nummer eins nennen. Überraschend auch der Auftritt Belgiens, das hinter Frankreich Platz vier belegt. Brasilien, wie immer als heißer Titelanwärter gestartet, verliert im Viertelfinale 3:4 im Elfmeterschießen gegen Frankreich. Das ganze Land ertrinkt in einem Meer von Tränen.

Porträt Maradona. Foto: dpa

Star des Turniers

Diego Maradona

Der König, der sich selbst vom Thron stieß. Der beste argentinische Fußballer aller Zeiten, der Superstar der WM 1986, konnte jeden Gegner wenn nötig auch im Alleingang bezwingen - nur eben sich selbst nicht. [mehr]

Galerie Diego Maradona

Porträt Gary Lineker. Foto: dpa

Torschützenkönig

Gary Lineker

Mit sechs Treffern wurde Lineker WM-Torschützenkönig 1986. Und der Brite schaffte noch etwas Außergewöhnliches: Obwohl als Stürmer von den Verteidigern gejagt, sah er in 600 Pflichtspielen niemals eine gelbe oder rote Karte. [mehr]

Irren ist menschlich

1986 wurde Argentinien zum zweiten Mal Weltmeister. Vor dem Turnier faltete Ex-Coach César Luis Menotti seinen Nachfolger Carlos Bilardo zusammen: "Der Nichtskönner zerstört das Herz unseres Fußballs durch seine Betonstrategie." Errare humanum est.

:: Die Finalrunde 1986 ::

Finale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge DeutschlandDeutschland 3 : 2
Spiel um Platz 3
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge FrankreichFrankreich gegen Flagge BelgienBelgien 4 : 2
Halbfinale
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Quelle: sport.ard.de
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge FrankreichFrankreich 2 : 0
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge BelgienBelgien 2 : 0
Viertelfinale
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Quelle: sport.ard.de
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge EnglandEngland 2 : 1
Flagge BelgienBelgien gegen Flagge SpanienSpanien 5 : 4
Flagge FrankreichFrankreich gegen Flagge BrasilienBrasilien 4 : 3
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge MexikoMexiko 4 : 1
Achtelfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge EnglandEngland gegen Flagge ParaguayParaguay 3 : 0
Flagge SpanienSpanien gegen Flagge DänemarkDänemark 5 : 1
Flagge FrankreichFrankreich gegen Flagge ItalienItalien 2 : 0
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge MarokkoMarokko 1 : 0
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge PolenPolen 4 : 0
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge UruguayUruguay 1 : 0
Flagge MexikoMexiko gegen Flagge BulgarienBulgarien 2 : 0
Flagge BelgienBelgien gegen Flagge SowjetunionSowjetunion 4 : 3

Den ganzen Turnierverlauf zeigen

Die WM 1986 in Zahlen
Spiele52
Tore gesamt132
Toreschnitt2,54
Platzverweise8
Zuschauer gesamt2.407.431
Zuschauerschnitt46.297
Stadien12

"Pique", das offizielle Maskottchen der WM 1986

Fotos: dpa, Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer