Plakat der FIFA WM 1930 in Uruguay. Bild: picture-alliance/dpa

Weltmeister

Uruguay

Stern
Flagge Uruguay
Weltmeister Italien 1930. Bild: picture-alliance/dpa

WM-Premiere lässt Europäer kalt

So hatten sich die Verantwortlichen die erste WM nicht vorgestellt. Zwar nehmen immerhin 13 Nationen an der Premiere im fernen Uruguay teil, doch mit Frankreich, Belgien, Rumänien und Jugoslawien sind nur vier europäische Teams am Start.

Überzogene Forderungen

Engländer, Deutsche und auch die Italiener bleiben zu Hause. Als auch noch die Niederländer absagen, kommt es zu wütenden Protesten gegen Königin Wilhelmine vor der niederländischen Botschaft in Montevideo. Die Unlust auf die WM wird begründet mit der mühevollen Anreise, mit klimatischen und finanziellen Hindernissen. Der DFB pocht obendrein auf den Amateurstatus, denn bei der ersten WM sollen auch Profis mitspielen dürfen. Mit überzogenen Forderungen umschiffen etliche Fußballverbände die Teilnahme: 60.000 Mark Antrittsgeld plus Übernahme sämtlicher Kosten will man haben - doppelt so viel, wie Uruguay bei den Olympischen Spielen 1924 und 1928 kassiert hatte. Das war nicht zu bezahlen, der Rückzug die logische Folge.

Anreise per Schiff

Die europäischen Teams benötigen für die Überfahrt per Schiff zwei Wochen. Die Belgier halten sich mit Geräteturnen fit, die Franzosen setzen mehr aufs Kartenspiel. Die Jugoslawen fühlen sich wie auf einer Kreuzfahrt: kaum Training, dafür üppige Kost. Bei der Ankunft in Montevideo haben etliche Balkan-Kicker zu viele Pfunde auf den Rippen. Trotzdem setzen sich die Jugoslawen in ihrer Gruppe gegen Brasilien und Bolivien durch, erreichen das Halbfinale.

Europa chancenlos

Für Gastgeber Uruguay läuft es optimal. 100 Jahre nach der Staatsgründung gewinnen die Südamerikaner die WM-Premiere - und das ausgerechnet mit einem 4:2-Finalerfolg über Nachbar Argentinien. Keine europäische Mannschaft hat eine Chance auf den Turniersieg, zu dominant sind die Südamerikaner. Selbst die USA, denen noch am meisten zugetraut wird, kommen im Semifinale gegen die Gauchos mit 1:6 unter die Räder. Mit dem gleichen Resultat verabschiedet Uruguay die Jugoslawen. Fußball bei der WM 1930 - es ist eine Zweiklassen-Gesellschaft.

Porträt von José Leandro Andrade. Foto: dpa

Star des Turniers

José Leandro Andrade

Der erste Weltstar des Fußballs, vergöttert als "Das schwarze Wunder". Als genialer Regisseur führte er Uruguay 1924 und 1928 zum Olympiasieg und 1930 zum WM-Titel. Als Musikant und Tänzer tingelte er durch die Pariser Varietés - und endete im Armenhaus. [mehr]

Porträt von Guillermo Stabile. Foto: dpa

Torschützenkönig

Guillermo Stábile

Stabile führte Argentinien 1930 mit acht Treffern zur Vizeweltmeisterschaft. Als Geschäftsmann abseits des Fußballplatzes machte er Millionen. Die Fans nannten ihn "El Filtrador". Der Mann, der durch den "Filter" kam, um seine Tore zu schießen. [mehr]

Keine Revolver, bitte ...

Beim WM-Finale 1930 Uruguay gegen Argentinien im Centenario-Stadion standen sich auch die heißblütigen Fans beider Lager gegenüber. Schon beim Gruppenspiel der Urus gegen Peru hatte es Ausschreitungen gegeben. Dem belgischen Final-Schiedsrichter John Langenus wurde die Sache zu heiß. Er bestand auf Leibwachen für sich hinter jedem Tor. Und forderte: "Kein argentinischer Revolver im Centenario!" Die Polizei konfiszierte rund 1.600 Schießeisen.

:: Die Finalrunde 1930 ::

Finale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge UruguayUruguay gegen Flagge ArgentinienArgentinien 4 : 2
Halbfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge UruguayUruguay gegen Flagge JugoslawienJugoslawien 6 : 1
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge USAUSA 6 : 1

Den ganzen Turnierverlauf zeigen

Die WM 1930 in Zahlen
Spiele18
Tore70
Toreschnitt3,89
Platzverweise1
Zuschauer gesamt434.500
Zuschauerschnitt24.139
Stadien3
Fußball der Dreißiger Jahre. Bild: National Football Museum Preston

Fußball aus den Dreißiger Jahren

Fotos: dpa, National Football Museum Preston