Planicka

Der König der Robinsonaden

Augenzeugen berichteten, seine Leistungen hätten an ein Wunder gegrenzt. Dank Frantisek Planickas tollkühnen Paraden wurde die Tschechoslowakei 1934 Vize-Weltmeister. Die "Katze von Prag" zählt neben Zamora und Combi zu den größten Torhütern seiner Zeit, wird bis heute als "König der Robinsonaden" verehrt.

Zu einem Spiel tschechischer Altinternationaler gegen Österreich kamen in den 1960er-Jahren einmal 80.000 Zuschauer. Was zeigt, wie sehr Frantisek Planicka und seine Kameraden noch lange nach Beendigung ihrer Karriere bewundert wurden. Begründet hatte Planicka seinen Ruhm beim WM-Turnier 1934. Die französische Zeitung "France Soir" schrieb damals: "Planicka ist ein phänomenaler Torwart, zweifellos der beste des Kontinents. Seine geschmeidigen, katzenhaften Sprünge gehören zu den großen Erlebnissen für jeden, der etwas vom Fußball versteht."

Funktionäre ließen ihn altern

Als die Funktionäre seines Stammvereins Bubenec auf den 15-Jährigen aufmerksam wurden, mussten sie ihn zwei Jahre älter machen, um überhaupt eine Spielerlaubnis für ihn zu bekommen. Mit 22 Jahren bestritt er sein erstes Länderspiel.

Mit nur 1,78 Meter für einen Klassekeeper eigentlich zu klein, machte Planicka dieses Manko dank Sprungkraft, exzellenter Reflexe und mit wahren Löwenmut wett. Seine Spezialität war das Herauslaufen aus dem Tor, wobei er sich ohne Rücksicht auf eigene Verluste den Stürmern entgegenwarf.

»Notfalls ins Feuer gesprungen«

"König der Robinsonaden", also der Torwartparaden, wird er bis heute in der Fußballwelt genannt. Vaclav Folprecht schreibt in "Die Großen im Tor": "Um einen Ball zu erreichen, wäre er notfalls auch ins Feuer gesprungen."

Das scheint nicht einmal übertrieben. Planicka riskierte tatsächlich Kopf und Kragen, wovon Schlüsselbein-, Arm- und Rippenbrüche, Blessuren an Kopf und Fingern und Gehirnerschütterungen zeugen. Dass er auf die Zähne zu beißen verstand, zeigte sich in seinem letzten von 73 Länderspielen, dem WM-Match 1938 gegen Brasilien.

Mit gebrochenem Arm weitergespielt

Drei Platzverweise gab es im Verlauf der Partie. Es stand 1:1, als "Franta" sich kurz vor Schluss Peracio entgegenwarf: "Ein Blitz, ein Knall, Peracios Schuh erwischte meinen Arm, der Schmerz schoss mir durch den ganzen Körper." Zu allem Unglück ging es auch noch in die Verlängerung. In Ermangelung eines Arztes behandelte ihn ein Funktionär - mit Franzbranntwein.

"Das war die längste halbe Stunde meines Lebens", so Planicka. Kein Wunder. "Mensch, Sie sind verrückt. So einen üblen Bruch habe ich schon lange nicht mehr gesehen", beschied ihm später der Krankenhausarzt. Planicka hatte in dieser Verfassung nicht mal ein Tor kassiert.

Fußball aus Lumpen

Mit einem Lumpenball und barfuß hatte Planicka Fußball spielen gelernt. Halblinks im Sturm war seine Position. Ins Tor wurde er abkommandiert, wenn er gegen Ältere ein Debakel verhindern sollte. Die Mitspieler von der Straße hatten sein Talent schnell erkannt. Er wuchs im Schatten des Stadions von Sparta Prag auf, kletterte über eine Laterne vor dem Elternhaus auf die Stadionumzäunungen, um zu kibitzen.

960 Mal hütete er später das Tor von Slavia Prag. Trotz seiner außergewöhnlichen Leistungen blieb er stets die Bescheidenheit in Person, arbeitete als Versicherungsbeamter, rauchte und trank nicht. Die Frage, ob er oder Zamora der Größte im Tor war, war für ihn keine: "Nach meiner Meinung war der beste Torwart der Welt Zamora."

Frank Menke

Bildkombo zweier Spielszenen von Frantisek Planicka. Fotos: dpa

Oben: Frantisek Planicka (r.) begrüßt den deutschen Kapitän Fritz Szepan vor dem Halbfinale 03.07.1934 in Rom.

Unten: Als Torwart von Sparta Prag

Zur Person

Name:
Frantisek Planicka
Geboren:
02.07.1904 in Prag
Gestorben:
20.07.1996 in Prag

Karriere-Highlights

  • Vizeweltmeister 1934
  • Tschechoslowakischer Meister 1929 - 1931, 1933 - 1935, 1937
  • Tschechoslowakischer Pokalsieger 1926 - 1928, 1930, 1932, 1935