Plakat der FIFA WM 1998 in Frankreich. Bild: picture-alliance/dpa

Weltmeister

Frankreich

Stern
Flagge Frankreich
Weltmeister Frankreich 1998. Bild: picture-alliance/dpa

Grande Nation im Fußball-Olymp

Faszinierend, in welcher Weise sportliche Erfolge eine ganze Nation beflügeln: Die "Équipe tricolore", das Team des Gastgebers, wird nach dem Gewinn ihres ersten WM-Titels vergöttert wie die Revolutionshelden von einst. Selbst die Denker der "Grande Nation" melden sich zu Wort. Der Philosoph Pascal Bruckner sieht Frankreich aus einer Depression heraustreten. Der Schriftsteller Jean d'Ormesson gewinnt gar die Erkenntnis, dass Fußball das konstitutive Element eines neuen Gesellschaftsvertrags sei. Staatspräsident Chirac verkündet: "Frankreich hat seine Seele wiedergefunden."

Brasilien zeitweilig vorgeführt

Ob sich die französischen Ball-Akrobaten der Tragweite ihres Tuns bewusst sind? Im Finale ist Brasilien nicht nur chancenlos, sondern wird beim 0:3 sogar phasenweise vorgeführt. Besonders ein Akteur spielt sich in die Herzen der Massen: Zinedine Zidane, in Algerien geboren und mit Talent gesegnet wie kaum ein anderer. Er erzielt zwei Tore im Finale, ist der Kopf der Equipe, der Superstar dieser WM und der legitime Nachfolger des legendären Michel Platini.

Nur Matthäus hat Grund zu jubeln

Von so einem Mann kann Deutschland nur träumen. Zu viele Mitläufer sind im Team. Mit Glück stolpert die DFB-Elf in die Runde der letzten Acht - von erstmals 32 Mannschaften. Beim 0:3 gegen Kroatien werden ihr die Grenzen aufgezeigt. Spielwitz und Technik bleiben Mangelware. Einzig der alternde Lothar Matthäus hat etwas zu feiern. Als erster Feldspieler nimmt er an fünf WM-Endrunden teil und ist mit 25 WM-Spielen alleiniger Rekordhalter.

Vogts ein schlechter Verlierer

Bundestrainer Vogts macht sich derweil als schlechter Verlierer lächerlich: "Wir müssen nach Hause. Warum auch immer!? Das haben andere Leute zu verantworten. Vielleicht ist der deutsche Fußball zu erfolgreich. Die anderen können kratzen, beißen spucken, gegen uns werden die Karten gezogen. Ich weiß nicht, ob es eine Anordnung gibt." Pelé bringt es – richtiger – so auf den Punkt: "Die Deutschen hatten niemand im Mittelfeld mit Gehirn. Sie konnten nur kämpfen." Händereiben hingegen in den Niederlanden, denn der Nachbar zieht ins Halbfinale ein. Das Oranje-Team spielt überragend, genauso Brasilien. Es kommt zum Elfmeterschießen. Dort versagen den Niederländern auch diesmal die Nerven.

Football's coming home - nur zu früh

Auf der britischen Insel wird David Beckham zum Prügelknaben auserkoren. Sein Missgeschick: die Rote Karte im Achtelfinale gegen Argentinien. Das Aus im Elfmeterschießen wird dem Superstar angelastet. Die Briten tröstet auch nicht, dass mit Michael Owen ein neuer Stern aufgeht. Traurig sind auch die Nigerianer. Der Geheimfavorit scheitert im Achtelfinale mit 1:4 an Dänemark.

Deutsche Hooligans schockieren die Welt

Für Schrecken sorgen die Hooligans. Erst prügeln sich in Marseille englische Krawallmacher mit nordafrikanischen. Dann kommt es in Lens zu entsetzlichen Szenen: Im Vorfeld der Partie zwischen Jugoslawien und der DFB-Elf treten deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode. Der Gendarm überlebt zwar, bleibt aber zeitlebens schwer behindert.

Porträt Zinedine Zidane. Foto: dpa

Star des Turniers

Zinedine Zidane

Zidane gilt als der netteste Weltstar im Fußballgeschäft. Mit zwölf Jahren hatte er seinen ersten großen internationalen Auftritt: als Balljunge bei der EM 1984. 15 Jahre später führte "Zizou" Frankreich zum WM-Titel. [mehr]

Galerie Zinedine Zidane

Porträt Davor Suker, Kusshände verteilend. Foto: dpa

Torschützenkönig

Davor Suker

Suker überließ nichts dem Zufall. Penibel führte der Kroate Buch über die Schwächen und Stärken gegnerischer Verteidiger und Torhüter. Das sollte sich auszahlen: Gut informiert avancierte er zum WM-Torschützenkönig 1998. [mehr]

Galerie Davor Suker

Romarios kalte Rache ...

... traf 1998 das brasilianische Trainer-Duo Zagallo und Zico. Die zwei hatten sich erdreistet, das angeschlagene Enfant terrible vor der WM aus der Selecao zu werfen. Romario ließ daraufhin das Duo mit herunter gelassenen Hosen auf die Toilettentüren seines "Café do Gol" in Rio malen.

:: Die Finalrunde 1998 ::

Finale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge FrankreichFrankreich 0 : 3
Spiel um Platz 3
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge KroatienKroatien gegen Flagge NiederlandeNiederlande 2 : 1
Halbfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge FrankreichFrankreich gegen Flagge KroatienKroatien 2 : 1
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge NiederlandeNiederlande 4 : 2
Viertelfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge ArgentinienArgentinien 2 : 1
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge KroatienKroatien 0 : 3
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge DänemarkDänemark 3 : 2
Flagge ItalienItalien gegen Flagge FrankreichFrankreich 3 : 4
Achtelfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge RumänienRumänien gegen Flagge KroatienKroatien 0 : 1
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge EnglandEngland 4 : 3
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge JugoslawienJugoslawien 2 : 1
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge MexikoMexiko 2 : 1
Flagge FrankreichFrankreich gegen Flagge ParaguayParaguay 1 : 0
Flagge NigeriaNigeria gegen Flagge DänemarkDänemark 1 : 4
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge ChileChile 4 : 1
Flagge ItalienItalien gegen Flagge NorwegenNorwegen 1 : 0

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Die WM 1998 in Zahlen
Spiele64
Tore gesamt171
Toreschnitt2,67
Platzverweise22
Zuschauer gesamt2.859.234
Zuschauerschnitt44.676
Stadien10
Footix, das offizielle Maskottchen der WM 1998. Bild: Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer

"Footix", das offizielle Maskottchen der WM 1998

Fotos: dpa, Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer