Der Kosmos Pelé

Ein "König der Könige" ist wohl zu Höherem berufen als nur Kunststückchen auf dem grünen Rasen zu zeigen. Nach Beendigung seiner Karriere blieb Pelé einer der populärsten Menschen der Welt. Fortan machte Edson Arantes do Nascimento, so sein richtiger Name, als Geschäftsmann, Schauspieler und nicht immer unumstrittener Politiker Schlagzeilen. Er brachte es bis zum Sportminister.

Als Siebenjähriger verkaufte Pelé Nüsse und putzte Schuhe, um etwas zum Lebensunterhalt seiner Familie beizusteuern. Heute gehören ihm Hotels, ein Radiosender und eine Filmproduktionsgesellschaft. "König Pelé" residiert in New York oder in seiner Villa in Guarajá mit Kino, Spielsalons, Fitnesscenter, Fußball- und Tennisplatz. Er besitzt Immobilien, leitet eine Marketinggesellschaft, verdient viel Geld als Firmenrepräsentant.

Sogar als Schauspieler reüssierte er, beispielsweise als Ganove mit Herz in "Pedro Mica" oder in "Victory" mit Sylvester Stallone. Auch mit diversen Ehen und Frauengeschichten sorgte er für Schlagzeilen. "Affären pflastern seinen Weg", diagnostizierte die "Neue Zürcher Zeitung" anlässlich seines 50. Geburtstags.

Ständige Sorge ums Geld

Bereits 1990 wurden seine Werbeeinnahmen auf vier Millionen Franken im Jahr geschätzt. Doch die Geldnöte in seiner Kindheit schienen ihn auch zum Sklaven seines Vermögens gemacht zu haben. "Er wurde einer, der sich ständig Sorgen ums Geld und um die Zukunft macht, der außerhalb des Spielfelds, wenn nicht ängstlich, so doch sehr vorsichtig agiert", analysierte etwa der Schweizer "Sport". Um zur Sporthochschule zugelassen zu werden, machte der "König der Könige" ("L’Équipe") sogar sein Abitur nach.

"Die Sklaverei soll ein Ende haben"

Bereits in den 1980er-Jahren flirtete der Multimillionär ("Ich bin Sozialist aufgrund meiner religiösen Prägung") mit der Politik. Mal wollte er als Staatspräsident kandidieren, mal eine Linkspartei gründen. 1994 ernannte ihn Präsident Cardoso zum außerordentlichen Sportminister. Die Bekämpfung der Korruption, an der schon sein Vorgänger Zico verzweifelt war, konnte auch Pelé trotz der vollmundigen Ankündigung "Die Sklaverei im Fußball soll ein Ende haben" nicht entscheidend vorantreiben. Heftiger Gegenwind blies ihm entgegen, der in dem Vorwurf gipfelte, er habe die brasilianische Militärdiktatur geduldet und sich von ihr vereinnahmen lassen.

Krieg mit Havelange

Federn lassen musste Pelé auch im Streit mit seinem Landsmann und früheren FIFA-Präsidenten Joao Havelange. Ausgerechnet den Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes, Ricardo Teixera, hatte Pelé öffentlich der Korruption beschuldigt. Dessen Schwiegervater Havelange grub daraufhin das Kriegsbeil aus: "Ich will, dass die kommenden Generationen Pelé nicht mehr kennen. Er bedeutet nichts mehr für den Fußball." Zusätzlich brüskierte er Pelé, als er ihn zur Auslosung für die WM 1994 auslud.

Ehrenmitglied deutscher Vereine

Harmonischer gestalteten sich Pelés Beziehungen zu deutschen Fußballclubs. Als ihn Rot-Weiss Essen im November 2005 zum Ehrenmitglied ernannte, sagte er stolz: "Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der 'Boss' Helmut Rahn spielte." Auch der 1. FC Köln machte Pelé zum Ehrenmitglied. Die entsprechende Urkunde nahm er am 30. Oktober 2007 vom damaligen Vereinspräsidenten Wolfgang Overath persönlich in Empfang.

Pelé: "Pelé ist unsterblich"

Übrigens: Warum Pelé Pelé genannt wird, ist nicht zweifelsfrei geklärt. In seiner Autobiografie steht, dass der Spitzname auf den einstigen Torwart Bilé von Vasco Sao Lourenco zurückgeht, den er als kleiner Junge bewundert habe. Aus Bilé habe sich sprachlich zunächst Pilé entwickelt, was schließlich in Pelé mündete. Seltsam allerdings: Als Kind hatte Pelé auch den Spitznamen Dico. Und er wurde auch schon mal handgreiflich gegenüber Mitschülern, wenn die ihn Pelé riefen. Deswegen wurde er einmal sogar zwei Tage vom Unterricht ausgeschlossen.

Wie dem auch sei, den Unterschied zwischen seiner Person und seiner Legende beschrieb er sehr genau: "Der Bürger Edson Arantes do Nascimento hat alle Höhen und Tiefen des Lebens gemeistert, gelacht, geweint, viele Schmerzen erleiden müssen, viele Triumphe ausgekostet. Er ist sterblich. Pelé ist dagegen unsterblich, wird immer der Traum aller Kinder bleiben, wird immer strahlen, wird nie Schmerzen empfinden müssen."

Frank Menke

Montage: Pelé wird nach dem Gewinn der WM 1970 auf Schultern getragen; Trikot Pelés bei einer Auktion; Pelé mit seinem  Wachs-Ebenbild in einem Pariser Hotel. Fotos: dpa. Montage: ARD

Oben: Nach dem Gewinn des Finales bei der WM 1970 in Mexiko. Unten: Das Trikot Pelés, das er bei diesem Spiel getragen hatte, bringt bei einer Auktion 2002 die Rekordsumme von 265.000 €. Rechts posiert er mit seinem Ebenbild in einerm Pariser Hotel.