Plakat der FIFA WM 1998 in den USA. Bild: picture-alliance/dpa

Weltmeister

Brasilien

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Flagge Brasilien
Weltmeister Brasilien 1994. Bild: picture-alliance/dpa

Pelés Erben auf dem Thron

24 Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist die Zeit für "Pelés Erben" gekommen. Durch ein 3:2 nach Elfmeterschießen gegen Italien holen sie den so lang ersehnten vierten WM-Cup.

Die Kicker von der Copacabana tanzen, die Italiener weinen. Routinier Baresi, dank seiner Defensiv-Qualitäten eigentlich die "Lebensversicherung" der Squadra Azurra, versagt im Elfmeterschießen genauso wie Weltfußballer Roberto Baggio, der den entscheidenden Strafstoß vergibt. Ausgerechnet die beiden besten Akteure Italiens sind die Pechvögel.

Von allen guten Geistern verlassen

Glückspilze gibt es auch unter den deutschen Spielern nicht. "Im Grunde ist es völlig wurscht, mit welcher Taktik Berti Vogts spielen lässt. Das deutsche Team ist stark genug", orakelte "Kaiser" Franz Beckenbauer vor Turnierbeginn. Doch der Titelverteidiger, von einem in der öffentlichen Meinung als "überfordert" bezeichneten Bundestrainer betreut, spielt in der Vorrunde wie von allen guten Geistern verlassen. Das einzig "Denkwürdige" ist der obszön gestreckte Mittelfinger Stefan Effenbergs Richtung Publikum.

"Wohlstandsjünglinge" als böse Buben

Vogts zieht nach der 1:2-Pleite seines Teams im Viertelfinale gegen Bulgarien gegen seine "Wohlstandsjünglinge", die auf "nichts mehr verzichten wollen", ins Feld. Die Rede ist von deprimierenden Zuständen innerhalb der Mannschaft und im Umgang miteinander. Neben einer gewissen geistigen Grundeinstellung fehlt es der deutschen Mannschaft zum Erstaunen der Fachwelt auch an einer modernen taktischen Ausrichtung mit der "Viererkette", wie Jupp Heynckes nach dem Turnier feststellt.

Tödlicher Abwehrfehler

Doch das sind Peanuts im Vergleich zu dem, was sich zehn Tage nach Kolumbiens 1:2-Vorrundenpleite gegen die USA ereignet. Andrés Escoabar steuert ein Eigentor zur Niederlage bei – ein tödlicher Fehler. Er wird daheim auf offener Straße mit zwölf Schüssen hingerichtet – angeblich auf Befehl des kolumbianischen Drogenkartells. Doch die WM geht weiter – wenngleich mit einem bitteren Beigeschmack. Und wer hätte gedacht, dass die Schweden ins Halbfinale einziehen? Die Skandinavier bezwingen im Viertelfinale die starken Rumänen mit 5:4 nach Elfmeterschießen. Für die Niederlande mit der wohl stärksten Mannschaft seit Cruyff & Co. ist ebenfalls in der Runde der letzten Acht Schluss – 2:3 nach tollem Kampf gegen die Brasilianer.

Maradonas Abgesang

Ein Denkmal stößt sich derweil selbst vom Sockel. Schon im Achtelfinale verabschiedet sich Argentinien nach einem 2:3 gegen Rumänien. Superstar Maradona war zuvor durch die Dopingprobe gefallen, von der FIFA gesperrt und vom eigenen Verband ausgeschlossen worden. Wie so oft flüchtet er sich in Ausreden, entwickelt Verschwörungstheorien. Welch eine Tragödie! Der "Göttliche" hat nach einer Sperre wegen Kokain-Konsums und anschließender Entziehungskur gerade erst mühsam den Weg zurück in die internationale Spitze gefunden.


Porträt Romário jubelnd. Foto: dpa

Star des Turniers

Romário

Der Mann mit den zwei Gesichtern. Galavorstellungen auf dem Spielfeld waren bei dem Brasilianer stets gepaart mit einem geradezu divenhaften Auftreten abseits des grünen Rasens. Bei der WM 1994 zeigte er sich von seiner Schokoladenseite. [mehr]

Galerie Romário

Kombo von Oleg Salenko und Hristo Stoitchkov. Fotos: dpa

Torschützenkönig

Oleg Salenko | Hristo Stoitchkov

Oleg Salenko und Hristo Stoitchkov teilten sich bei der WM 1994 die Torjägerkrone. Beide trafen sechs Mal. Der Russe überstrahlte den Bulgaren allerdings dadurch, dass ihm fünf Treffer in einem Spiel gelungen waren. [mehr]

Galerie Salenko und Stoitchkov

Ermordet - wegen eines Eigentores

Kolumbiens Verteidiger Andrés Escobar steuerte bei der WM 1994 ein Eigentor zur 1:2-Vorrundenniederlage gegen die USA bei. Kurz nach der Heimreise wurde er in Medellin auf offener Straße mit zwölf Schüssen regelrecht hingerichtet. "Danke für das Eigentor", soll einer der Attentäter gerufen haben. Escobars Ermordung wird dem berüchtigten Medellin-Drogenkartell angelastet, das große Summen auf ein Weiterkommen Kolumbiens gesetzt haben soll.

:: Die Finalrunde 1994 ::

Finale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge ItalienItalien 3 : 2
Spiel um Platz 3
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge SchwedenSchweden gegen Flagge BulgarienBulgarien 4 : 0
Halbfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge BulgarienBulgarien gegen Flagge ItalienItalien 1 : 2
Flagge SchwedenSchweden gegen Flagge BrasilienBrasilien 0 : 1
Viertelfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge ItalienItalien gegen Flagge SpanienSpanien 2 : 1
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge BrasilienBrasilien 2 : 3
Flagge BulgarienBulgarien gegen Flagge DeutschlandDeutschland 2 : 1
Flagge RumänienRumänien gegen Flagge SchwedenSchweden 6 : 7
Achtelfinale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge NigeriaNigeria gegen Flagge ItalienItalien 1 : 2
Flagge MexikoMexiko gegen Flagge BulgarienBulgarien 2 : 4
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge IrlandIrland 2 : 0
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge USAUSA 1 : 0
Flagge Saudi ArabienSaudi Arabien gegen Flagge SchwedenSchweden 1 : 3
Flagge RumänienRumänien gegen Flagge ArgentinienArgentinien 3 : 2
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge BelgienBelgien 3 : 2
Flagge SpanienSpanien gegen Flagge SchweizSchweiz 3 : 0

Den ganzen Turnierverlauf zeigen

Die WM 1994 in Zahlen
Spiele52
Tore gesamt141
Toreschnitt2,71
Platzverweise15
Zuschauer gesamt3.568.567
Zuschauerschnitt68.626
Stadien9
Striker, das offizielle Maskottchen der WM 1994. Bild: dpa

"Striker", das offizielle Maskottchen der WM 1994

Fotos: dpa, Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer