Jairzinho

Jedes Spiel ein Treffer

Das schaffte nicht einmal Gerd Müller: An der Seite des alles überstrahlenden Pelé traf Brasiliens Rechtsaußen Jairzinho bei der WM 1970 in jedem Match, sieben Mal insgesamt. Er ist damit neben dem Franzosen Just Fontaine der einzige Spieler, der in allen Partien einer WM-Endrunde mindestens ein Tor schoss.

Es war wohl sein Glück und Pech zugleich, in der besten Fußballmannschaft des Jahrhunderts, für viele sogar aller Zeiten, gespielt zu haben. Trotz grandioser Vorstellungen bei der WM 1970 stand Jairzinho wie alle anderen Teamkollegen im Schatten Pelés. Und doch war der Rechtsaußen der heimliche Star Brasiliens, das als erste Nation zum dritten Mal Weltmeister wurde. Jairzinho schoss in jedem Spiel mindestens einen Treffer, sorgte im Finale gegen Italien für das vorentscheidende 3:1 und verzückte Fans wie Fachwelt mit atemberaubenden Soloeinlagen.

Komplette Mannschaft durcheinander gewirbelt

Eine Szene hat sich besonders eingeprägt: nämlich die, als er im Gruppenspiel die tschechoslowakische Nationalelf regelrecht vorführte. Nahezu das komplette Team hatte der Rechtsaußen im Alleingang schwindelig gespielt, bevor er den Ball clever einnetzte. Dabei war der rechte Flügel nicht einmal seine Lieblingsposition. Am wohlsten fühlte er sich im zentralen Mittelfeld und als Mittelstürmer. Doch dort regierte "König Pelé". Weshalb ihn Trainer Zagallo nach rechts beorderte – ein nachgerade genialer Einfall.

Garrincha ersetzt

Mit 13 Jahren kam Jairzinho zu seinem Stammverein Botafogo. Sein Debüt in der Selecao gab er sieben Jahre später als linker Mittelfeldspieler. Bald darauf durfte er den verletzten Garrincha ersetzen, der bis heute als bester Rechtsaußen aller Zeiten gilt. Jairzinhos Pech war, dass sein Kollege zur Weltmeisterschaft 1966 wieder fit war. So musste er auf den linken Flügel ausweichen, auf dem er allerdings so gut wie keine Akzente setzen konnte. Die Selecao verabschiedete sich bereits nach den Vorrundenspielen.

Nationaltrainer von Gabun

In der Höhenluft Mexikos stieg Jairzinho schließlich zum effizientesten Offensivspieler auf, den die Selecao je hatte. Jedes Spiel mindestens ein Treffer - das reichte zur Unsterblichkeit, auch wenn er vier Jahre später bei der WM in Deutschland nicht mehr an die 1970er-Gala anknüpfen konnte. Nach dem Turnier heuerte er bei Olympique Marseille an. Mit den Franzosen gewann er in seinem ersten Jahr gleich die Vizemeisterschaft.

Jairzinho ist nach seiner aktiven Laufbahn dem Fußball verbunden geblieben - zum Beispiel als Trainer der Nationalmannschaft Gabuns während der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006. Beim deutschen "Sommermärchen" machte er auf einem ganz anderen Gebiet auf sich aufmerksam: Als Sänger der Band "Legendarios do Brasil" intonierte er mit den ehemaligen brasilianischen Weltmeistern Jair, Brito, Altair, Roberto Miranda und Marco Antonio Samba- und Bossa-Nova-Hits.

Frank Menke

Montage zweier Fotos Jairzinho: Links beim Jonglieren mit dem Ball; rechts im Dress der brasilianischen Nationalmannschaft. Fotos: dpa; Montage: ARD

Links: Ballkünstler Jairzinho.

Rechts: Im Dress der Selecao beim Länderspiel gegen Deutschland am 16. Juni 1973.

Zur Person

Name:
Jair Ventura Filho, Künstlername Jairzinho
Geboren:
25.12.1944 in Rio de Janeiro

Karriere-Highlights

  • Weltmeister 1970
  • Sieger Copa Libertadores 1976
  • Rio-Meister 1967, 1968
  • Venezolanischer Meister 1977
  • Bolivianischer Meister 1979