Gerd Müller

Die Torfabrik

Niemand vor und nach ihm hatte diesen Torriecher. Mit zehn Treffern wurde er Torschützenkönig der WM 1970. Mit insgesamt 14 Treffern war er lange Rekordtorschütze aller Weltmeisterschaften, bis ihn 2006 der Brasilianer Ronaldo (15) ablöste. Die Glanzzeit des deutschen Fußballs in den 1970er-Jahren hätte es wohl ohne Gerd Müller nicht gegeben.

"Was soll ich mit einem Gewichtheber?", meinte Bayern-Trainer Zlatko "Tschik" Čajkovski, als "kleines dickes Müller" 1964 vom TSV Nördlingen an die Isar wechselte. "Alles, was wir geworden sind, all die Erfolge haben wir nur dem Gerd zu verdanken", bilanzierte Jahrzehnte später Franz Beckenbauer. In der Tat: Ob im Liegen oder im Sitzen, stehend oder laufend, mit beiden Füßen und Oberschenkeln, dem Knie, dem Po oder auch schon mal mit dem Bauch: Es gab einfach keine Lage, aus der Gerd Müller nicht doch noch ein Tor gemacht hätte. Müller gilt bis heute als Sinnbild des Vollblutstürmers.

Der "Bomber der Nation"

Angesichts seiner geradezu unheimlichen Trefferquote verpasste ihm die Presse im besten Militaristendeutsch den Spitznamen "Bomber der Nation". Noch heute dürfte mancher Verteidiger drei Kreuze machen, dass es in den Strafräumen nicht mehr "müllert". 68 Mal traf Müller in 62 Länderspielen, damit war er lange unangefochten alleiniger Rekordtorschütze des DFB. 365 Tore schoss er in 427 Bundesligapartien, 79 in 64 Pokalspielen. Für seinen Heimatverein TSV Nördlingen erzielte er in der Saison 1962/63 180 von 204 Toren! In den ersten 13 Bundesligajahren des FC Bayern war er stets bester Schütze seines Vereins. Siebenmal wurde er Liga- Torschützenkönig. Sein Saisonrekord von 40 Treffern 1971/72 steht bis heute.

Rücktritt mit 28 Jahren

Bei der WM 1970 wurde der Junge aus der schwäbischen Provinz zum Weltstar auf dem grünen Rasen. Allen Zweiflern zum Trotz harmonierte er prächtig mit dem in die Nationalelf zurückgekehrten Stürmerkollegen Uwe Seeler und wurde mit zehn Treffern Torschützenkönig. Das Highlight in Müllers Karriere war aber der Siegtreffer zum 2:1 im WM-Finale gegen die Niederlande vier Jahre später. Er leitete zugleich das Ende der Ära Müller im Nationalmannschaftstrikot ein. Angeblich verärgert darüber, dass die Spielerfrauen vom DFB-Festbankett ausgeschlossen waren, erklärte er mit 28 Jahren seinen Rücktritt von der Nationalelf. Er selbst sagte später, er habe Bundestrainer Helmut Schön schon Tage vor dem Endspiel seinen Rückzug mitgeteilt, weil er mehr Zeit für seine Familie haben wollte.

Verletzende Auswechslung

Müller kickte weiter für den FC Bayern, freilich ohne an seine früheren Glanzzeiten anknüpfen zu können, auch wenn er 1978 noch einmal die Torjägerkrone errang. Anfang 1979 kündigte er zum Saisonende seinen endgültigen Abschied vom Fußball an, nachdem ihn am 3. Februar der damalige Bayern-Coach Pál Csernai vorzeitig ausgewechselt hatte. Es war das erste und letzte Mal in Müllers Karriere. Tief verletzt bat er um die sofortige Freigabe und ging in die USA zu den Fort Lauderdale Strikers. Bei "Smith Brothers Lounge" beendete er 1982 seine einzigartige Karriere. In 80 Spielen in der North American Soccer League (NASL) hatte er nochmals 40 Treffer erzielt.

Montage mehrerer Fotos von Gerd Müller: Oben eine Spielszene; links unten mit Helmut Schön; rechts unten Zigarre rauchend mit Paul Breitner. Nationalmannschaft. Fotos: dpa; Montage: ARD

Oben: Der "Bomber der Nation“ erzielt in der Verlängerung den Siegtreffer (zum 3:2) im Viertelfinale gegen England.

Unten links: Bundestrainer Helmut Schön tröstet den jungen Gerd Müller nach dem Ausscheiden der deutschen Elf. Sie hatte das Halbfinale gegen Italien mit 3:4 verloren.

Unten rechts: Müller mit seinem Mannschaftskameraden Paul Breitner beim Bankett nach dem WM-Sieg 1974.

Zur Person

Name:
Gerd Müller
Geboren:
03.11.1945 in Nördlingen

Karriere-Highlights

  • Weltmeister 1974
  • Europameister 1972
  • Europapokalsieger der Landesmeister 1974, 1975, 1976
  • Europapokalsieger der Pokalsieger 1967
  • Weltpokalsieger 1976
  • Deutscher Meister 1969, 1972 - 1974
  • Deutscher Pokalsieger 1966, 1967, 1969, 1971
  • Europas Torschützenkönig 1970 (38 Tore) und 1972 (40)
  • Europas Fußballer des Jahres 1970
  • Deutschlands Fußballer des Jahres 1967 und 1969
  • Torschützenkönig WM 1970
  • Bundesliga-Torschützenkönig 1967, 1969, 1970, 1972, 1973, 1974, 1978