Gerd Müller

Absturz mit Happy End

Auf dem Platz war er der Schrecken aller Gegenspieler und ein Superstar. Doch am Leben nach dem Fußball wäre Gerd Müller beinahe zerbrochen. Ohne seine alten Freunde vom FC Bayern hätte ihn wohl der Alkohol besiegt.

Lange nicht so geschmeidig wie auf dem grünen Rasen bewegte sich Gerd Müller durchs wirkliche Leben. Georg M. Oswald beschreibt ihn in dem Buch "Der Rauch vieler Jahre" folgendermaßen: "Er verstand sich einfach nicht darauf, den gewitzten Gesprächspartner zu geben. Und es hat nie an Leuten gefehlt, die sich deshalb über ihn lustig gemacht haben." Locker-lässig oder gar staatstragend wie ein Franz Beckenbauer die Presse zu bedienen - das lag nicht in Müllers Naturell.

Spektakulär nur auf dem Platz

Ein Medienstar über den Fußball hinaus wurde der gelernte Weber deshalb nie. Die große Show bot Müller nur auf dem Platz und nicht vor TV-Kameras oder auf dem gesellschaftlichen Parkett. Nach seiner aktiven Karriere sah er sich zudem mit einem Problem konfrontiert, das auch so manch anderen Ex- Profi drückte: Ihm fehlte eine echte Aufgabe. "Er lebte von Autogrammstunden, von Spielen in diversen Prominentenmannschaften und ansonsten faul in den Tag hinein", höhnte der Schweizer "Sport". Der sensible Müller flüchtete vor  der Leere seines Alltags in den Alkohol.

Wiederauferstehung dank alter Freunde

Doch anders als beispielsweise der extrovierte und am Alkohol zugrunde gegangene Nordire George Best, trank Müller im Verborgenen. Still und leise zog er sich in den Dauerrausch zurück. Währenddessen brachte sein Berater sein Vermögen durch. Wären die alten Freunde beim FC Bayern, allen voran Uli Hoeneß, nicht zur Stelle gewesen, "hätte ich es wohl nicht geschafft", sagte Müller. Seit 1992 nach einer Entziehungskur wieder topfit, arbeitet er seitdem in erster Linie als Amateur- und Jugendtrainer für den Münchner Rekordmeister. In besonderer Weise würdigte ihn 2008 seine Geburtsstadt Nördlingen: Sie taufte zu Ehren von Deutschlands wohl bestem Stürmer aller Zeiten den heimischen Rieser Sportpark in Gerd-Müller- Stadion um.

Frank Menke

Montage mehrerer Fotos von Gerd Müller: Oben beim Abschiedsspiel; links unten als Trainer; rechts mit dem vergoldeten Schuh des Torschützenkönigs von 1974. Fotos: dpa; Montage: ARD

Oben: Am 20. September 1983 beendet Gerd Müller seine aktive Karriere.

Unten: Müller als Trainer beim FC Bayern München und mit dem "Goldenen Schuh" des besten Torschützen 1974 bei der Gala "40 Jahre Bundesliga" im Jahr 2003.