Plakat der FIFA WM 1974 in Deutschland. Bild: picture-alliance/dpa

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Flagge Deutschland
Weltmeister Deutschland 1974. Bild: picture-alliance/dpa

Holländer scheitern an Arroganz

"Diese Mannschaft ist nur mit einer Maschinenpistole aufzuhalten", schreibt die "Gazetta dello Sport" schon nach dem bundesdeutschen EM-Triumph 1972. Das DFB-Team geht als Favorit in die Heim-WM. Die Niederlande, zum ersten Mal nach 36 Jahren überhaupt wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert, könnten die Deutschen im Finale auch ohne Waffengewalt bezwingen. Doch sie scheitern an ihrer Überheblichkeit.

Schock in der ersten Minute

7. Juli in München, Anpfiff zum WM-Traumfinale Deutschland - Niederlande. Sekunden nach Spielbeginn drängt Cruyff in den Strafraum, wird von Hoeneß gefoult. Elfmeter - 1:0 durch Neeskens. Das Chaos regiert die deutsche Hintermannschaft. Cruyff & Co. sehen sich schon auf der Siegerstraße und werden überheblich. Wim van Hanegem sagt später: "Es störte uns nicht, wenn wir nur 1:0 gewannen, so lange wir sie demütigen konnten." Es war der Anfang vom niederländischen Ende.

Krönung für den "Mann mit der Mütze"

Nach Hölzenbeins vermeintlicher "Schwalbe" verwandelt Breitner den Strafstoß zum 1:1. Zwei Minuten vor der Pause die Entscheidung: Flanke Bonhof, Müller stoppt den Ball mit dem Rücken zum Tor, dreht sich um sich selbst und jagt die Kugel an Torhüter Jongbloed vorbei in die Maschen. Es ist die Entscheidung, an der auch der Sturmlauf der Niederländer in der zweiten Hälfte nichts ändert. Deutschlands zweiter WM-Titel nach 1954 ist perfekt. Für Bundestrainer Helmut Schön, den "Mann mit der Mütze", ist es die Krönung seiner Karriere.

DDR schockt BRD

Dabei glaubt zuvor kaum noch jemand an den WM-Titel, als die bundesdeutsche Mannschaft im ersten Länderspiel überhaupt gegen die DDR 0:1 verliert. Millionen stockt der Atem, als Jürgen Sparwasser Sepp Maier überwindet. Der Treffer des Magdeburgers hebt die bundesdeutsche Fußballwelt aus den Angeln. Die DDR wird statt der Bundesrepublik Gruppenerster. Trainer Schön ist ratlos. Kapitän Beckenbauer beruft in der Sportschule Malente, dem deutschen WM-Quartier, eine nächtliche Krisensitzung ein, bei der es richtig kracht und Klartext geredet wird. Die Aussprache trägt Früchte. Es folgen das 2:0 gegen Jugoslawien, das 4:2 gegen Schweden, das 1:0 gegen Polen in der "Wasserschlacht" von Frankfurt und schließlich der Finalsieg.

Prämienstreit im DFB-Lager

Dabei hätte kurz vor Turnierbeginn ein Riesenstreit um die WM-Prämien den BRD-Triumph fast verhindert. 30.000 D-Mark pro Mann will der DFB für den Titel zahlen und damit nur so viel wie für den dritten Platz bei der WM 1970. Es folgen beinharte Verhandlungen. Kapitän Beckenbauer droht mit Abreise der Mannschaft,  Bundestrainer Schön will "mit diesem Sauhaufen nichts mehr zu tun haben". Die Lage in Malente steht vor der völligen Eskalation. Am Ende einigen sich die Streitparteien auf 70.000 D-Mark pro Spieler.


Polen begeistern

Die DDR hat nach dem historischen 1:0-Sieg über den "Klassenfeind" ihr Pulver verschossen, holt aus der zweiten Finalrunde nur noch einen Punkt. Dagegen begeistern die Polen. Die Mannschaft um Torjäger Lato zeigt frischen Offensiv-Fußball, siegt fünf Mal hintereinander, bis sie gegen die Bundesrepublik vergeblich um den Einzug ins Finale kämpft. Immerhin sichern sich die Osteuropäer Platz drei vor den enttäuschenden Brasilianern.

Porträt Johan Cruyff. Foto: dpa

Star des Turniers

Johan Cruyff

Cruyff war der überragende Spieler der WM 1974. Die Vizeweltmeisterschaft war sein größter Erfolg und seine bitterste Niederlage zugleich. Mit Ajax Amsterdam revolutionierte "König Johan" den Fußball. [mehr]

Galerie Johan Cruyff

Porträt Grzegorz Lato. Foto: dpa

Torschützenkönig

Grzegorz Lato

Lato kam als Ersatzmann nach Deutschland und rückte erst durch die Verletzung eines Mitspielers ins Team. Für Polen erzielte er sieben Treffer und hatte entscheidenden Anteil am dritten Platz seiner Mannschaft. [mehr]

Galerie Grzegorz Lato

Immer Ärger mit den Frauen?

Hartnäckig hält sich bis heute ein Gerücht: Etliche deutsche Nationalspieler hätten nach dem WM-Gewinn 1974 ihren Rücktritt aus der Nationalelf erklärt, weil der DFB die Spielerfrauen vom Festbankett ausgeschlossen hatte. Tatsächlich sollen Wolfgang Overath, Jürgen Grabowski und Gerd Müller ihre Entscheidung Bundestrainer Helmut Schön schon nach der "Wasserschlacht" gegen Polen mitgeteilt haben.

:: Die Finalrunde 1974 ::

Finale
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge NiederlandeNiederlande 2 : 1
Spiel um Platz 3
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge PolenPolen gegen Flagge BrasilienBrasilien 1 : 0
2. Runde Gruppe B
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge PolenPolen gegen Flagge JugoslawienJugoslawien 2 : 1
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge SchwedenSchweden 4 : 2
Flagge SchwedenSchweden gegen Flagge JugoslawienJugoslawien 2 : 1
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge PolenPolen 1 : 0
Flagge PolenPolen gegen Flagge SchwedenSchweden 1 : 0
Flagge DeutschlandDeutschland gegen Flagge JugoslawienJugoslawien 2 : 0
2. Runde Gruppe A
Mannschaft1 Mannschaft2 Ergebnis
Quelle: sport.ard.de
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge DDRDDR 2 : 0
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge ArgentinienArgentinien 2 : 1
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge BrasilienBrasilien 2 : 0
Flagge ArgentinienArgentinien gegen Flagge DDRDDR 1 : 1
Flagge BrasilienBrasilien gegen Flagge DDRDDR 1 : 0
Flagge NiederlandeNiederlande gegen Flagge ArgentinienArgentinien 4 : 0

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Die WM 1974 in Zahlen
Spiele38
Tore gesamt97
Toreschnitt2,55
Platzverweise5
Zuschauer gesamt1.774.022
Zuschauerschnitt46.685
Stadien9
Tip und Tap, die offiziellen Maskottchen der WM 1974. Bild: Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer

"Tip und Tap", die Maskottchen der WM 1974

Fotos: dpa, Haag-Kirchner/Historisches Museum der Pfalz Speyer