Grzegorz Lato

Der große Schweiger

Der pfeilschnellle Rechtsaußen Grzegorz Lato verkörpert neben Andrzej Szarmach und Kazimierz Deyna die goldene Epoche des polnischen Fußballs von 1972 bis 1982. Nur als Ersatz ins polnische A-Team aufgerückt, wurde er bei der WM 74 mit sieben Treffern Torschützenkönig und hatte entscheidenden Anteil am dritten Platz der Polen.

Mit erfrischendem Offensivfußball begeisterten die Polen bei der Weltmeisterschaft 1974. An der Seite von Stars wie Kazimierz Deyna, Robert Gadocha oder Andrzej Szarmach kam ein Spieler ganz groß heraus, den eigentlich niemand auf der Rechnung hatte: Grzegorz Lato. Beim polnischen Olympiasieg 1972 war er nur Zuschauer, saß auf der Reservebank. Doch die WM zwei Jahre später in Deutschland wurde seine Bühne. Dabei war er nur eine Verlegenheitslösung, da Wlodzimierz Lubanski ausgefallen war.

104 Länderspiele für Polen

Lato, der Mann mit dem lichten Haupthaar, mochte keine großen Worte, ließ lieber Taten sprechen. Der große Schweiger schoss Polen mit sieben Treffern auf den dritten Platz, steuerte auch im "kleinen Finale" gegen das große Brasilien den Siegtreffer zum 1:0 bei. Es folgte Silber bei Olympia 1976 und ein weiterer dritter Platz bei der WM1982. Insgesamt lief Lato 104 Mal für Polen auf, ist damit Rekordnationalspieler seines Landes. Die 45 Tore, die er dabei erzielte, sichern ihm bis heute den zweiten Platz unter Polens Rekordtorschützen nach Lubanski (48). Mit insgesamt zehn Treffern ist er zudem WM-Rekordtorschütze Polens.

100 Meter in 10,8 Sekunden

Rechtsaußen Lato war ob seiner Schnelligkeit kaum aufzuhalten. Die 100 Meter lief er in handgestoppten 10,8 Sekunden. Anfang der 1970er feierte er mit seinem Verein Stal Mielec zwei Mal die polnische Meisterschaft. 1980 erlaubte ihm der polnische Fußballverband, ins Ausland zu wechseln. Lato kickte in Belgien und in Mexiko. Nach seiner aktiven Laufbahn betreute er als Trainer die polnischen Klubs Stal Mielec, Olimpia Posen, Amica Wronki und Widzew ŁÃ³dź.

Ausflug in die Politik

Doch das füllte den in seiner Heimat überaus beliebten Fußballer offenbar nicht aus. Waisenkind Lato, eher als ungesellig und als Einzelgänger bekannt, zog es in die Politik. Ab 1992 engagierte er sich für den "Bund der demokratischen Linken" seines Heimatlandes, saß sogar von 2001 bis 2005 als Abgeordneter im polnischen Parlament. Im Oktober 2008 wurde er außerdem zum 24. Präsidenten des polnischen Fußballverbands gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2012 inne. Seinen Landsleuten ist er aber vor allem in Erinnerung als einer der verehrungswürdigsten Spieler aus Polens glanzvollster Fußballepoche.

Frank Menke

Montage zweier Fotos von Grzegorz Lato: Obenbeim Torschuss; unten beim Training lachend auf dem Rasen liegend. Fotos: dpa; Montage: ARD

Oben: 6. Juli 1974: Lato zieht ab zum 1:0-Siegtreffer gegen Brasilien.

Unten: Lato beim Training der polnischen Nationsalmannschaft bei der WM in Spanien 1982 .

Zur Person

Name:
Grzegorz Boleslaw Lato
Geboren:
08.04.1950 in Warschau

Karriere-Highlights

  • Olympiasieger 1972
  • Olympia-Zweiter 1976
  • WM-Dritter 1974, 1982
  • Polnischer Meister 1971, 1973
  • Polnischer Rekordnationalspieler mit 104 Einsätzen
  • Polens Fußballer des Jahres 1977