Salenko & Stoitchkov

Rekordschütze und Exzentriker

Mit je sechs Treffern teilten sich Oleg Salenko und Hristo Stoitchkov bei der WM 1994 die Torjägerkrone. Der Russe überstrahlte den Bulgaren allerdings dadurch, dass ihm als erstem Spieler überhaupt bei einer Weltmeisterschaft fünf Treffer in einem Spiel gelungen waren.

In 58 Minuten zur Unsterblichkeit: Exakt solange benötigte Igor Salenko 1994, um beim 6:1 über Kamerun als erster Spieler fünf Tore in einem WM-Spiel zu schießen. Krönender Abschluss dieser Sternstunde war die Vorbereitung des sechsten Treffers. Dank des verwandelten Elfmeters zuvor gegen Schweden, seines ersten Länderspieltores überhaupt, wurde der russische Ersatzspieler zusammen mit dem Bulgaren Hristo Stoitchkov Torschützenkönig des Turniers. Allerdings absolvierte Salenko nur drei Spiele, sein Pendant hingegen sieben.

Billigster Spieler der Primera Division

Erst im November 1993 hatte Salenko in der Nationalelf debütiert. Bei der WM 1994 kam er nur zum Zug, weil etliche Stars die "Sborjana" boykottierten. Bei Zenit Leningrad hatte er als 16-Jähriger seine Karriere begonnen. Als er 1989 für umgerechnet etwa 50.000 Euro zu Dynamo Kiew wechselte, war er der erste sowjetische Spieler, für den ganz offiziell eine Ablösesumme bezahlt wurde.1992 wechselte er in die spanische Primera Division. Seine 16 Tore retteten CD Logrones vor dem Abstieg. Er selbst ging, mit angeblich nur rund 850 Euro Mindestlohn, als billigster Spieler in die Liga-Annalen ein.

Salenko spielte noch eine Weile beim FC Valencia, in Schottland und in der Türkei, bevor er 1997 seine Karriere nach einer Knieverletzung beendete. Allerdings heuerte er im November 2000 noch einmal beim polnischen Klub Stettin an.

Stoitchkov: Das Enfant terrible

Hristo Stoitchkov hatte es 1990 prophezeit: "Wir werden bald europäische Spitze sein, denn wir haben eine große Mannschaft." Ahnte das „Enfant terrible“ des bulgarischen Fußballs, dass er daran selbst entscheidenden Anteil haben sollte? Dank seiner sechs Tore feierten die Bulgaren bei der WM '94 den größten Erfolg ihrer Geschichte. Auch Deutschland wird sich unangenehm erinnern an den Mann, den der Münchener "Merkur" einmal als "größten Provokateur und flegelhaftesten Spieler der Fußball-Neuzeit" bezeichnete.

Der "geborene Sieger"

Mit derselben Präzision, mit der er beispielsweise für den FC Barcelona seine Tore machte, schlug er auch über die Stränge. Am liebsten hatte es der "geborene Sieger", wenn alle nach seiner Pfeife tanzten. Das schwor Konflikte insbesondere mit Autoritäten herauf. Nachdem Barcelonas früherer Coach Louis van Gaal ihm einmal mangelnde Treffsicherheit attestierte, erschien Stoitchkov zur nächsten Trainingseinheit mit der gleichen Brille auf der Nase wie sein Vorgesetzter. Drei Monate gesperrt wurde er, als er nach einem Platzverweis den Schiedsrichter tätlich angriff.

Fischen ist sein Hobby

Mittlerweile ist der Bulgare, den Paul Breitner privat als "nett und hilfsbereit" beschreibt, ruhiger geworden. Was an seinem Hobby Fischen liegen mag. 1999 begann der vielleicht beste Fußballer, den Bulgarien je hatte, mit seiner Trainerausbildung. 2004 übernahm er als Coach die bulgarische Nationalmannschaft. 2007 trat er von seinem Amt zurück. Nach einem kurzen Gastspiel beim spanischen Club Celta de Vigo übernahm er 2009 den südafrikanischen Club Mamelodi Sundowns. Danach trainierte er kurzzeitig die bulgarischen Clubs Litex Lowetsch und Rekordmeister ZSKA Sofia, wo er 2013 nach nur einem Monat im Unfrieden schied.

Frank Menke

Montage zweier Fotos von Igor Salenko (mit Kameruns Roger Milla) und Hristo Stoitchkov (in einer Spielszene). Fotos: dpa; Montage: ARD

Oben: Igor Salenko am Rande des Gruppenspiels gegen Kamerun mit dem 42-jährigen (!) Kameruner "Star der Herzen" Roger Milla. Russland gewann dieses Spiel mit 6:1. Dabei gingen fünf der sechs Tore auf das Konto von Salenko.

Unten: Hristo Stoitchkov im Spiel gegen Schweden um Platz 3 - Schweden gewann allerdings trotz Stoitchkov deutlich mit 4:0.